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Zum Ende der Seite springen 16 Jahre Bulimie - der Körper rächt sich  
 
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endlich_gesund?:
16 Jahre Bulimie - der Körper rächt sich
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Liebe Leidensschwestern,

meine Geschichte ist traurig. Ich schreibe sie euch hier auf, damit sich vielleicht die eine oder andere davon angesprochen fühlt und versucht, ihr Schicksal in bessere Bahnen zu lenken.

Ich bin 33 Jahre alt. 16 Jahre davon hat mich die Bulimie gekostet. Seit einem Jahr bin ich ganz frei davon, aber mein Körper verzeiht mir diesen Raubbau nicht. Die Konsequenzen sind grausam. Ich wünsche jeder von euch, dass euch das erspart bleibt.

Mit 16 fing alles an. Ich bin/war Perfektionistin in jeder Hinsicht, war in der Schule sehr gut, hatte anspruchsvolle Hobbies, sah blendend aus und wollte nun auch noch die perfekte Figur. Dabei hatte ich nichtmal Übergewicht. Ich war ganz normal (BMI 21) und wollte schlank sein wie ein Model.

Da ich schlecht im Hungern bin, fing ich an, mir den Finger in den Hals zu stecken. Heimlich und nur ab und zu, wenn ich zu viel gegessen hatte. Aber schnell kam ich auf den Dreh, dass nun ja alles erlaubt ist, da ich es wieder rauskotzen kann und nicht zunehme. Der Teufelskreis begann.

Schon bald reichte der Finger im Hals nicht mehr und ich kam auf brutale Methoden, das Essen rauszubringen. Danach stopfte ich mir wieder was rein, um es nochmals rauszubringen. Meine Eltern ertappten mich, regten sich auf und hielten es für eine "ungezogene Manie". Ich schämte mich, versteckte mein Problem und hielt mich selbst für schwach.

Als ich mit 19 auszog in die erste eigene Wohnung hatte ich vollkommen freie Bahn. Meine Essanfälle steigerten sich auf bis zu 10 am Tag. Ich weiss nicht, wie ich nebenbei noch das Studium bewältigt habe, aber das hat geklappt. Ansonsten ging ich in die soziale Isolation, um genug Zeit für meine Sucht zu haben.

Dazu kamen magersüchtige Tendenzen, denn ich aß eigentlich nichts mehr, um es drin zu behalten, sondern nur noch, um es auszukotzen. Ich bekam Untergewicht. Aus Scham begab ich mich nicht in eine Therapie, denn zuhause bei meinen Eltern hatte ich ja das Gefühl bekommen, einfach übergeschnappt zu sein und nicht krank. Ich konnte mich niemandem anvertrauen.

So habe ich in meiner Verzweiflung mit 22 begonnen, wenigstens einen Tag zwischen den Kotztagen freizulassen. Das klappte nach langem Mühen.

Mit 24 hatte ich es auf eine Redktuion von einem Ess-/Brechanfall pro Woche geschafft. Ich hatte wieder Freunde, das Examen war bestanden, mein Leben begann wieder schön zu werden.

Körperlich fühlte ich mich damals noch gesund und hatte keine Beschwerden. Ich lernte wieder Stück für Stück, "verbotene" Lebensmittel zu essen. Erst in kleinen, genau berechneten Mengen, dann mehr. Mein Gewicht normalisierte sich auf BMI 20.

Ich machte Karriere, war glücklich und erfolgreich. Doch der wöchentliche Bulimieanfall war nach wie vor mein routinierter und heimlicher Begleiter. Einmal pro Woche schloss ich mich ein und ging meinem grausamen "Hobby" von 3-4 direkt aufeinanderfolgenden Fressattacken nach. Ich sicherte mir diesen Tag sogar im Kalender, er war mir das wichtigste "Date" der Woche und schon der Lebensmitteleinkauf gehörte zum Ritual.

Ich genoss es. Wie traurig.

Das ging 5 Jahre lang so. Dann kamen die ersten Beschwerden. Gastritis, chronischer Durchfall mit Bauchkrämpfen ohne erkennbare Ursache, Schwächeanfälle. Ich ahnte die Ursache, erzählte aber niemandem davon, denn ohne meine wöchentliches "Fressfest" konnte ich mir nicht vorstellen zu leben. Ich hatte das Gefühl, dabei würde ich Stress abauen und mich einfach gut fühlen. Aber ich reduzierte manchmal auf 1-2 mal pro Monat, um meine Gesundheit zu schonen. Es fiel mir sehr schwer. Weitere 3 Jahre vergingen.

Vor 1,5 jahren - ich war mittlerweile 32, glücklich frisch verliebt und weiterhin erfolgreich im Job - wurden die Beschwerden so krass und so massiv, dass ich sie kaum noch ertragen konnte. Mein Magen war andauernd extremst entzündet, die Bauchkrämpfe gingen nicht mehr weg, ich hatte Mangelerscheinungen, vertrug nur noch gekochte Kartoffeln, Reis und gedünstetes Gemüse, die Haare fielen mir aus, ich war nicht mehr in der Lage nach der Arbeit irgendetwas zu unternehmen, da ich nur meine Beschwerden lindern konnte, wenn ich im Bett lag und Tee trank. Nach Feierabend fiel ich halbtot ins Bett.

An Essanfälle war nun gar nicht mehr zu denken, ich hätte sie vor Schmerzen nicht mehr ausgehalten. Seither habe ich keinen Essanfall mehr gehabt. Erst als ich körperlich ganz und gar am Boden war, begriff ich, was ich da eigentlich getan hatte.

Das ist jetzt 1,5 Jahre her. Ich denke heute weder an einen Fressanfall noch zähle ich Kalorien.

Was gebelieben ist, ist eine zerstörte Gesundheit. Ich kann kaum noch etwas essen, weil ich es nicht verdauen kann, ich habe dauerhafte Gastritis, Bauchkrämpfe, Schwächeanfälle. Ich sitze fast jeden Tag beim Arzt, nehme diverse Medikamente, habe eine Therapie gemacht. Aber niemand kann mir wirklich helfen.

War es einfach zu spät? Im Nachhinein muss ich weinen, wenn ich an all das denke. War es das wert? War es das wert, diese Fresserei und Kotzerei für den Preis, meinen Körper ruiniert zu haben? Der Preis für meine Sucht ist unglaublich hoch. Und ich zahle ihn sehr spät. So spät, dass ich nichts mehr rückgängig machen kann.

Ich wünsche Euch allen, dass Ihr den Mut habt, Euch der Sucht zu stellen, dass Ihr Euch jemandem anvertraut, der Euch hilft, dass Ihr nie vergesst, dass der Körper sich für all das rächt...

Ich hoffe, dass ich doch noch eines Tages gesund werde. Ich tue heute alles dafür. Ich würde viel dafür geben, eine zweite chance zu bekommen.

Alles Gute jeder von Euch.
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Wachtelkücken:
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Ich weiß noch nicht so genau, warum ich hier drauf antworte, aber deine Geschichte bewegt mich echt.
Ich hoffe, dass diese traurige Wirklichkeit hier so einige mal wach rüttelt aus ihrem "Rapunzel-alleshalbsowildVerhalten".
Dass ne Krankheit, wie ne Essstörung nunmal krank macht, scheint für viele einfach nicht greifbar oder so zu sein.
Ich hab nach 8 Jahren Essstörung meine Gesundheit sicher auch ruiniert. Wie genau ist schwer auszumachen, denn so "typische" Folgeschäden hab ich, bis auf so Zahnscheiß, nicht.
Im Endeffekt denk ich, wahrscheinlich auch aus ner gewissen Angst davor, auch nicht großartig drüber nach, was meine ehemalige (ich bin jetzt so ca. seit 2 Jahren symptomfrei) Essstörung mit meiner....naja....nennen wirs... labilen Gesundheit zu tun hat.
Ich mein, ich bin gerade mal mitte zwanzig, krepel jetzt schon mit meiner mittlerweile zweiten Krebserkrankung rum, hatte schon ne Arthrose-OP und bin überhaupt ständig krank.
Natürlich ist mir bewusst, dass das alles viele Ursachen haben kann- Veranlagung, "Tschernobylgeneration", furchtbare Kindheit und größtenteils auch Jugendzeit, Hochleistungssport etc. pp., aber zu einem gewissen Teil hat meine ehemalige Essstörung sicher auch damit zu tun. Fragt sich nur zu welchem Teil - und wie hoch ich diesen Teil im Endeffekt bezahlen muss.

Naja, wie dem auch sei- das waren grad meine Gedanken mal dazu.

Ich wünsch dir von Herzen alles Gute.... und das Wichtigste: Gesundheit.


Achso...eine Frage hätt ich noch: ernährst du dich jetzt gesund?
  Forum Bulimie - Körper Kalorien Fitness Sport
 



IchAuch:
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Und die Quintessenz?

Die Spätfolgen der Bulimie fallen sehr unterschiedlich aus.
Und an die allgemeine Gesundheit wird beim Versuch aufzuhören so gut wie nie gedacht, es ist eher der Wunsch den konkreten Leidensdruck zu beenden (wenn man ihn denn verspürt).

Also warum zunächst der Versuch, die Intensität zu verringern, wie hat das geklappt, welche Probleme traten dann auf, wie kam man aus der Isolation raus, was ist mit den Hintergründen? Wo ist das Gefühl?
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