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alicee:
autobiographie einer jeden 5.? / nur so
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Autobiographie einer jeden 5. Dame
„Wenn du loslässt, hast du zwei Hände frei“
Wie viele Menschen aus Deutschland sind gerade auf dem Weg in den Supermarkt?
Hast du dich schon mal umgesehen, wie und was die Menschen einkaufen?
Natürlich hast du das, denn immer wieder siehst du doch in Supermärkten, oder beim Bäcker oder in der Apotheke dein Spiegelbild. Diese scheinbar so glückliche junge Dame vor dir scheint – wie viele andere auch – genau dasselbe Problem wie du zu haben. Du wirst traurig bei ihrem Anblick.
Sie, und du, regelmäßig verliert ihr die Kontrolle, sucht die Lebensmittelläden auf, ringt verzweifelt durch den Supermarkt.
Du steckst alles ein, was du finden kannst.
Kekse, Kuchen, Chips, Schokolade, Brot, Pizza, Käse, Pudding, Joghurt……..
Es ist schon fast egal was, fast. Hauptsache viel. Ganz viel.
Du hoffst, dass dieser Einkauf schnell vorbeigeht und dich niemanden erkennt, hoffentlich bleibt es unbemerkt -> dieser Einkauf im Supermarkt, diese Krankheit.
Schnell und unbemerkt.
Diese Worte bestimmen schon fast dein Leben, denn auch das Szenario anschließend zu Hause soll so sein: schnell und unbemerkt.
Aber noch stehst du im Supermarkt, die Tasche schon bis oben hin gefüllt.
Nun schnell zur Kasse, bezahlen und dann nur noch zügig nach haus.
An der Kasse vor dir eine Schlange von vier Leuten. Du bist nervös und kannst es kaum ertragen dort zu stehen. Du zappelst an deiner Tasche herum.
Warum dauert das so lange.
Deine Gedanken kreisen und kreisen und kreisen……… du hoffst, dass nun nicht doch noch jemand vorbeischaut, den du womöglich kennen könntest.
Geht das auch schneller hier?
An der Kasse geht es voran, nur die alte liebe Dame vor dir muss noch bezahlen.
Und genau darin scheint die Schwierigkeit zu liegen. Du bist gereizt und genervt, du willst nur nach haus, unentdeckt bleiben.
Die Dame findet ihr Portmonaite nicht.
Klar, dass dir das in diesem Moment passiert.
Endlich, sie hat es gefunden. Nun packt sie langsam ihre Sachen in die Tasche.
Warum kann sie das ganze nicht etwas schneller machen.
Deine innerliche Anspannung steigt und steigt und genau in diesem Augenblick begrüßt dich ein freundliches Hallo von hinten.
„Hey Lillie, schön dich zu treffen, ich habe dich schon so lang nicht mehr gesehen, wie geht’s dir?“
Du zuckst innerlich total zusammen, läufst rot an, schämst dich in Grund und Boden bei den ganzen Fressalien, die auf dem Band liegen.
Du schwitzt, drehst dich um und lächelst etwas verwirrt zurück
Sei bloß so normal wie möglich, lass dir nichts anmerken.
„ Hey Betty, hab ich mich gerade erschreckt“.
Lächel!
„ Zurzeit habe ich viel zu tun, aber erzähl, wie geht es denn dir?“
„Ach weißt du, das Studium…………………………………….“ Du kannst ihr gar nicht folgen und hörst kaum zu.
Siehst sie an, setzt dein Lächeln auf und hoffst insgeheim, dass sie bald abhaut. Du magst sie. Ihr habt euch immer gut verstanden, doch in diesem Augenblick könntet ihr noch so nah befreundet sein, alles und jeden würdest du von dir weisen. Mit Ausnahme der Fressalien auf dem Band.
„Junge Dame, das macht nun € 35, 70“.
Die Rettung, - der Untergang.
„Sorry Betty, ich muß leider los, wir planen eine Geburtstagsfeier für eine damalige Freundin, wie du vielleicht siehst“
„Fehlt nur der Alkohol“
Lachen!
„Ja, den besorgt die maskuline Fraktion“
„Ruf mich doch nächste Woche an, wir könnten uns mal wieder zu einem Kaffee treffen, ich muss nun auch weiter, bei uns soll es gleich Pasta geben.“
„Ja, ich meld mich bei dir, bis bald“
Schnell deine Bankkarte rauszücken.
Während der Zahlungsvorgang von statten geht, räumst du hektisch alle Lebensmittel in deine Tasche, verschließt sie.
Zahlung erfolgt, den Kassenbon brauchst du nicht.
Du willst nur eines.
Raus hier!
Endlich, der Supermarkt ist überstanden, nun geht’s nur noch nach Haus.
Dann hast du es geschafft, dann kann dir niemand mehr begegnen. Zumindest niemand Außenstehendes.
Nur noch die Straße rauf, links rum und dann bist du zu haus. Du hast aber schon jetzt „Hunger
kramst in deiner Tasche und steckst dir auf dem Weg irgendetwas in den Mund, und noch mal, und noch mal.
Du schaust geradeaus.
Ist das etwa Kim? Oh nein, nicht noch mehr Begegnungen.
Schnell biegst du links in die Gasse und nimmst einen Umweg.
Angekommen.
Schlüssel raus, Tür aufschließen, Treppe hoch, noch mal Tür aufschließen und dann endlich. Tür zu.
Du bist alleine, du bist ganz alleine, niemand sieht dich, niemand hört dich. Hier ist es egal, in welch widerliche Gestalt du dich nun begibst.
Du bist allein, sehr allein.
Du stellst eine Geräuschkulisse auf, entweder läuft die Cd, der Fernseher oder der Computer, egal. Die ganzen Lebensmittel, die vermutlich bei normalen Menschen für eine Woche reichen würden, schüttest du auf den Tisch auf, du kochst nebenbei Kaffee, stellst noch zwei Flaschen Wasser auf den Tisch und dann gibt es keinen Halt mehr. Du beginnst deinen Körper zu füllen, du beginnst zu fressen, du hoffst damit anderes kompensieren zu können. Du vergisst den Rest der Welt, du fühlst nicht mehr….
Kekse, Kuchen, Chips, Schokolade, Brot, Pizza, Käse, Pudding, Joghurt,
Brot, Kuchen, Pizza, Jogurt, Kekse, Trinken, Trinken, Trinken, Chips,
Kekse, Kuchen, Chips, Schokolade, Brot, Pizza, Käse, Pudding, Joghurt Kekse, Kuchen, Chips, Schokolade, Brot, Pizza, Käse, Pudding, Joghurt, Pudding, Käse, Brot, Brötchen, Kuchen, Kekse, Chips, Trinken, Trinken, Trinken, Kekse, Kuchen, Chips, Schokolade, Brot, Pizza, Käse, Pudding, Joghurt,

schneller, schneller, schneller, mehr mehr mehr ……
Dein Handy klingelt und plötzlich erwachst du aus diesem Zustand. Du gehst nicht ran.
Dafür siehst du nun diese riesige Müllhalte vor dir.
Dir ist schlecht, dein Magen aufgedunsen, er schmerzt, dir ist schlecht, du bist schlecht, du bist widerlich, ekelig, undiszipliniert.
Steht auf und geh kotzen.
Vielleicht ist dir aber noch nicht schlecht genug….. doch dir reicht es für den Moment und du vollendest nun diesen Akt, denn es gehört dazu, es befreit paradoxerweise doch für einen kleinen Moment irgendwie.
Du begibst dich ins Bad, beugst dich über die Kloschüssel und versuchst alles wieder rauszuwürgen. Es ist unglaublich anstrengend und unglaublich widerlich. Du ekelst dich vor dir selbst, jetzt noch mehr also sonst. Und noch mal würgst du und noch mal und noch mal.
Du kriegst nicht alles raus.
Du kannst noch so würgen, es funktioniert einfach nicht.
Du bist kaputt, erschöpft, dein Gesicht zeigt dir gerade das Ausmaß deiner letzten Stunde. Du bist aufgequollen, deine Augen rot, dein Gesicht verschmiert, deine Schminke verlaufen. Du siehst so aus wie du dich fühlst. Fertig.
Dein Magen schmerzt immer noch und nun bekommst du auch noch Kopfschmerzen.
Du gehst zurück in die Küche und erschreckst. Du siehst den ganzen Müll, Papier, Löffel, Schalen, Reste von Kuchen und Keksen….
Wie konntest du nur? Warum hast du das getan, was hat es dir gebracht? Geht es dir nun besser? Wie konntest du nur die Kontrolle so verlieren, schon wieder so?
Du wetzelst dich innerlich mit deinen Gedanken total nieder, schämst dich aufs Tiefste, hast Schmerzen. Du versucht zumindest einigermaßen wieder Ordnung herzustellen. Du zwingst dich dazu.
Zum Glück wohnst du alleine. Das Szenario von eben bekommt hier niemand mit, da musst du auch keine Rücksicht nehmen. Das Gröbste ist beseitigt. Es sieht schon fast so aus wie vorher.
Optisch fällt es kaum mehr auf……..
Du hast immer noch Schmerzen. Erinnerst dich an die ganzen Berge von Essen und daran, wie wenig du doch rausbekommen hast. Schnell zur Kulturtasche. Du bereust deine Tat und willst sie auch morgen noch spüren. Außerdem denkst du, es könnte etwas an den Kalorien ändern, die du zu dir genommen hast. Du weißt, dass es total idiotisch ist, trotzdem tust du es. Du suchst die Abführmittel und schluckst sie. Auch hier gibt es keine Kontrolle. Dose auf, rauskippen, Mund auf, schlucken. 30, 40, 50…….. es spielt keine Rolle.
Du suchst dein Bett, fällst erschöpf rein. Kannst aber nicht auf deinen Bauch liegen. Suchst eine Lage, in der du es aushältst und bist erleichtert, wenn du weder denken noch spüren musst und erschöpft einschläfst.
8 Stunden später, vor Magenschmerzen erwachst du, deine Abführmittel wirken. Du rennst zur Toilette. Schaust kurz mit deinem Gesicht in den Spiegel. Du siehst aus, als hättest du einen Kater von der letzten Party.
Leider war diese Party nicht so amüsant.
Du hast wahnsinnige Schmerzen. Gehst zurück ins Bett. Dir ist komisch, übel und du fühlst dich wackelig. Du hast immer noch Magenschmerzen. Und noch mal stehst du auf, um ins Bad zu gehen. Auf den Weg dorthin musst du dich an der Badtür abstützen. Dein Kreislauf spinnt. Du trinkst etwas Wasser, es geht besser.
Dann gehst du zurück ins Bett. Du fühlst dich total ausgelaugt. Schläfst noch mal ein. Erneut vor Magenschmerzen wachst du zwei Stunden später auf. Wieder rennst du ins Bad und zurück und noch mal und noch mal. Es ist nun Mittag und langsam verschwinden die körperlichen Schmerzen etwas. Du kochst dir einen Tee, gehst Duschen und putzt deine Wohnung. Leider kannst du nur äußerlich aufräumen.
Du verstehst es nicht. Jedes mal erlebst du es wieder, jedes Mal kehrt dieser Kreislauf zurück. Jedes verdammte Mal gibt es nur diesen Kreislauf als scheinbare Lösung. Und jedes mal mehr, hast du das Gefühl, dass es außerdem nichts anderes mehr gibt. Verzweifelt suchst du immer wieder nach etwas, dass diesen Kreis durchbricht, doch bis jetzt gab es keine Dauerhafte Lösung.
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alicee:
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Die Wohnung ist sauber, du schnappst dir deine Sonnenbrille und wagst dich in weiten Klamotten doch mal vor die Tür. Doch auch hier hoffst du, dass dich niemand anspricht. Mittlerweile bröckelt deine Fassade immer mehr, mittlerweile sieht man dir dann, das dein Leben nicht funktioniert, das alles schief läuft und du nicht mehr Herr über dein Leben bist. Mittlerweile könnten die Menschen spüren, dass du schwach bist.
Der Sinn und Zweck der Krankheit, dass du dich und deine Emotionen kontrollieren kannst, dass niemand spürt, wie es dir tatsächlich geht, dass deine Fröhlichkeit keine wahre ist, funktioniert kaum mehr.
Immer häufiger wirst du schwach, weinst, findest dich nicht zurecht, bist verzweifelt.
Und diese Krankheit, diese Sucht bleibt dennoch. Du verstehst es einfach nicht.
Den Rückfall gestern gestehst du dir ein. Aber du möchtest keineswegs noch mal in diesen Kreislauf zurück. Also entscheidest du dich, etwas zu essen, Hunger verspürst du nicht. Sättigung auch nicht. Zu Hause angekommen suchst du Reis und Gemüse. Du siehst keinen Sinn darin dir etwas zu kochen, es ist anstrengend und passt nicht zusammen. Wieso sollst du Essen, wenn du keinen Hunger hast? Wieso sollst du überhaupt essen?
Du versuchst es dennoch, vielleicht klappt es dieses mal, vielleicht fällst du nicht zurück, vielleicht wird dieser Tag ohne eine weitere Fressorgie ausgehen.
Nach dem 150. versuch gibst du es auf. Es endet immer wieder im Kontrollverlust. Du erträgst es nicht. Essen ist eine Qual, die Zubereitung allein ist schon irrsinnig anstrengend. Du bist allein. Du kannst es nicht.
Was bleibt dir in diesem Zeitpunkt anderes übrig, als die Krankheit zu akzeptieren?
Du hast keine Kraft mehr, du bist verzweifelt, du bist allein. Du kannst nicht noch länger dagegen ankämpfen. Zurzeit schaffst du es nicht.
Willkommen zurück in der Realität, willkommen im passiven Leben.
Das Internet ist deine einzige Kommunikation zur Außenwelt. Freunde, die du nicht um dich herum erträgst, weil du dich nicht erträgst sagen, du sollst endlich deine Chancen nutzen und das Leben leben.
Um alles in der Welt möchtest du das tun und können, Spaß haben, Träume und Ziele verwirklichen, das Leben genießen und spüren.
Doch es geht nicht, du versuchst es immer und immer wieder und fällst jeden Tag aufs Neue. Dabei wird die Scham vor dem erneuten Versagen immer größer. Dies ist auch ein Faktor, der dir verbietet raus zu gehen. - abgesehen von der steigenden Kilozahl und deiner Äußeren ekelhaften Gestalt. Du enttäuscht andere und natürlich dich selbst.
Aber wie sollen andere auch wissen, was in dir vorgeht, wenn du nicht redest. Wenn du nicht reden kannst, wenn du nicht vertraust.
Woher sollen sie wissen, was mit dir los ist, wenn du es selber nicht weißt.
Und wie sollen sie nachvollziehen können, was du tagtäglich tust?
Können Außenstehende das? Ekeln sie sich nicht nur vor dem, was du tust?
Bei dir ist es doch identisch, du ekelst dich auch davor und vor dir.
Und sehen Außenstehende nicht NUR dieses Szenario?? Besteht für sie diese Krankheit nicht nur aus dieser Undiszipliniertheit?
Wie schön wäre es, wenn jemand da wäre, der dich hält,
einfach nur hält,
ohne Worte,
der dich spüren lässt
Der dich liebt
Den du brauchst, den du sehr brauchst.

Du hast Angst.
Du bist allein.
du spürst die Sehnsucht……
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Alessia:
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