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rosa: heilung durch kunsttherapie |
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ICH HAB ES GESCHAFFT / aber der weg ist lang, steinig und unangenehm; manchmal will man auch einfach nicht mehr weiter - aber, es lohnt sich!!
ich hatte 10 jahre lang bulimie. am anfang dachte ich noch, es hat nur was mit gewicht und genuss zu tun - eine art diaet, damit bei der ganzen schlemmerei die waage nicht mehr anzeigt. meine eltern fanden es heraus, was fuer mich schrecklich war. die reaktion war entsprechend. auf bitten meines damaligen partners habe ich dann eine ambulante therapie begonnen. Nach 20 therapiestunden war ich der meinung, die bulimie besiegt zu haben. Die therapeutin hatte mir zwar mehr selbstbewusstsein vermittelt, was aber, im nachhinein betrachtet, auch nur fassade war. Dahinter war ich naemlich noch immer die verschuechterte und unsichere person von zuvor. Fuer mein umfeld war ich natuerlich eine angenehme zeitgenossin. Immer fuer alle da, immer lieb und nett, die kann richtig viel essen und wird nicht dick. Wie oft habe ich auch diesen satz gehoert und nichts weiter getan, als bloede zu laecheln und die schulter zu zucken.
Nach weiteren 4 jahren in dem teufelskreis schlecht gehen – essen – erbrechen – gut fuehlen – schlecht gehen ... vertraute ich mich meinem neuen hausarzt an. Mittlerweile war ich an einem art tiefpunkt angekommen, wo ich das gefuehl hatte, jetzt etwas unternehmen zu muessen. Dieser empfohl mir dann die teilnahme an der kunsttherapie! Wir waren eine gruppe von 5 – 6 frauen, jede mit ihrer eigenen geschichte. Zum ersten mal wurde mir klar, dass es frauen gibt, die mit genau den gleichen zweifeln, gefuehlen und situationen zu kaempfen haben. Dies tat unheimlich gut. Die therapiestunde lief eigentlich immer so ab, dass jede erzaehlte, was ihr seit der letzten gruppe (14taegig) passiert war, welche situationen auf sie einfluss hatten und wie sie sich fuehlte. Die therapeutin hoerte zu und gab ihre kommentare dazu ab, aber nicht in form von ratschlaegen sondern wirklich mehr wie eine art unterstuetzung. Sie gab nichts vor, sondern versuchte nur, verschiedene moeglichkeiten aufzuzeigen, wie dies und jenes zu bewaeltigen waere. Anschliessend gab es eine phantasiereise, die immer mit augenschliessen und ausruhen begann, die therapeutin liess einen durch worte unterstuetzt, nachfuehlen wie es einem gerade geht. Die gedanken konnten frei hervorkommen, sie brachten alles moegliche. Die eindruecke und empfindungen wurden dann anschliessend, je nach laune der frau, mit aquarell, fingerfarben, ... zu papier gebracht. Es ging um himmelswillen nicht um die kuenstlerische note. Man brachte einfach zum ausdruck, was waehrend der zeitreise in einem vorging, welche gefuehle sich ihren weg an die oberflaeche durchgruben, welche gedanken umherschwirrten.
Das war mein anfang von heilung. Zum ersten mal waehren dieser ganzen zeit hatte ich gemerkt, dass ich auch jemand war, der gefuehle und empfindungen hat, der sehr wohl auch ein recht auf waerme und zuneigung hat. Das hineinpressen von anderen in eine bestimmte form hatte ich mir zu lange gefallen lassen. Es dauerte einige zeit, bis ich wirklich bis zu mir vorgedrungen war. Welche person ich eigentlich wirklich war. Dass ich mich nicht verstecken muss, dass ich genausoviel oder wenig wert bin wie andere und dass man mich nicht wegen 2 kilo weniger mehr liebt sondern ich wegen meinem ICH, wegen meiner selbst gemocht werde.
Ich fing an, dinge geniessen zu koennen: der geruch von fruehling in der luft, ein schmetterling, abendrot, ein gewittersturm. Ich lernte mir was gutes zu tun; eine bodylotion, die ich mir sonst nie gekauft habe. Der geruch alleine aber liess mich gut fuehlen. Ich habe, rueckblickend betrachtet, noch kein jahr so intensiv gelebt wie 1999. Alle hoehen und tiefen, vor allem auch schlechte situationen und gefuehle aushalten, ohne gleich aufs klo zu rennen. An sich selber glauben und vor allem nicht mehr versuchen, perfekt zu sein. Gerade die kleinen fehler sind es oft, die einen menschen so liebenswert machen. Das ganze zaehlt! Und wer ist schon perfekt (ausser nobody).
Nach fasching hatte ich mir vorgenommen, 6 wochen lang keinen alkohol zu trinken (sprich keinen gluehwein beim apresski, kein glas wein beim italiener, ... ) das war auch ein wendepunkt. Wissen, willensstark zu sein; etwas zu schaffen, wenn man es wirklich will.
Es ist jetzt alles ein bisschen durcheinander geschrieben. Aber ich kann nur noch mal betonen, dass man wirklich einen punkt erreichen muss, der einen erkennen laesst, dass es so nicht mehr weiter geht!
Seit 13 monaten spucke ich nicht mehr und ich fuehle mich gut. Mir werden immer wieder komplimente gemacht, was fuer eine positive ausstrahlung ich haette. (dabei habe ich bestimmt keine oberweite 110 – auch ein thema in der bulimie) wie gesagt, einfach der gesamteindruck zaehlt.
Leider musste ich die gruppe verlassen, da mein mann beruflich in die usa gegangen ist. (ich wollte es auch). Diese uebergangszeit war sehr schwer. Die ganzen gefuehle und schon einmal durchlebten situationen brachen ueber mich herein. Manchmal hatte ich in dem ganzen verabschiedungs, auszugs und uebersiedelungszeitraum das gefuehl, zu sterben. Alles wurde vorbereitet, letzte besuche, umarmungen, ein letztes mal im musikverein, zu wissen, dass diese zeit nicht wieder kommt. Eigentlich alles negativ – aber: ich hatte noch nie so ein starkes gefuehl fuer mein umfeld. Das heisst doch aber auch, dass ich es sehr geliebt und genossen habe. Und zur freude gehoert nun auch mal trauer.
Frueher pendelte meine gefuehlsskala um die 50 (von 0 – 100). Heute erlebe ich alles zwischen 0 und 100. Ich lebe.
Gerne moechte ich kontakt zu betroffenen. Ich moechte jeder gewillten frau helfen, die bulimie zu entwerten.
Liebe gruesse rosa
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conny: hoffnung!! |
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rosa, danke!! danke, daß mal zu erkennen ist, daß sie nicht unbesiegbar ist, diese krankheit!! auch wenn ich, fürchte ich, noch lange nich soweit bin... danke, daß du einem noch ein bißchen hoffnung machst.
aber wie war das mit den 20 therapiestd., hattest du da schonmal aufgehört, abetr nicht richtig? oder wie? und was hat dich letztendlich motiviert, wirklich endlich was zu tun?
muß man erst richtig auf dem boden sein, um den willen DAGEGEN zu SPÜREN?? muß es erst zur katastrophe kommen? daß alle rundherum es merken, oder ich zusammenklapp ( was ich nicht tu, denn ich legs ja eigentlich nicht mal drauf an, abzunehmen.... bin , seit i´ch einmal aufgehört hatte, und mir eigentlich eh dünn genug bin, fast ausschließlich wegen dem 'genußfaktor' bulimikerin... idch glaube, das ist der schwierigste part an dem ganzen...
ogtt!ich muß ja gehn! ich wünsch euch allen einen tag, wie ihn suse gestern hatte!!
und mir wünsch ich, daß mein betäubtes gewissen endlich aufwacht...WIE MACH ICH DAS??
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rosa: RE: hoffnung!! |
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hi conny,
hier noch ein paar erlaeuterungen, ich weiss, dass ich teilweise ein paar dinge uebersprungen habe:
aber wie war das mit den 20 therapiestd., hattest du da schonmal aufgehört, abetr nicht richtig? oder wie?
< dazwischen gab es immer wieder tage und auch wochen, an denen ich nicht gespuckt habe, aber es war eher ein zusammennehmen, es nicht zu tun; jede mahlzeit, apfel im kopf genau notieren, ... .>
und was hat dich letztendlich motiviert, wirklich endlich was zu tun?
muß man erst richtig auf dem boden sein, um den willen DAGEGEN zu SPÜREN??
< ob es soweit kommen muss, weiss ich nicht. bei mir war es auf jeden fall so. ich merkte, dass ich mich nur noch auf meinen partner fixierte und ihn damit so sehr einengte, dass er sich platz machen wollte; ich verliess mich nur auf ihn, hatte sonst relativ wenig andere bezugspersonen, da ich davor zu ihm gezogen bin (80 km von zu hause)>
muß es erst zur katastrophe kommen? daß alle rundherum es merken, oder ich zusammenklapp
< nein, nicht die anderen muessen es merken, du selbst musst erkennen, dass es so nicht weitergeht. in meinem fall war es die zu zerbrechen drohende beziehung, da er auch machtlos war und mir nicht gezielt helfen konnte. nicht, weil er nicht wollte, nein er war nicht faehig dazu, mich und meine gefuehle und gedankengaenge zu verstehen. (eine weitere anmerkung: die kunsttherapeutin war selbst einmal bulimikerin - d.h. sie weiss genau, wovon wir sprechen)>
ich freue mich, wieder von dir zu hoeren, du kannst gerne auch mailen
gruss
rosa
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ab-server-Foren
07.02.2012 15:27
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