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Auszehrung und "Kontrolle"

Anders als andere Kranke mit extremem Gewichtsverlust, erleben Magersüchtige ihren ausgezehrten Zustand nicht als krankhaft. Magersüchtige verteidigen ihre skelettartige Erscheinung beharrlich als "normal", sie kämpfen darum, sich dieses Aussehen zu erhalten, weil sie darin die einzige Möglichkeit sehen, das panisch gefürchtete "Fett-Sein" abzuwenden. Dieses "Fett-Sein" beginnt für Magersüchtige nicht am Bereich des Übergewichts, sondern am Bereich des Normalgewichts (daher manchmal auch: "Normalgewichts-Phobie").

 

Magersüchtiges Verhalten (Nahrungsenthaltung, abführende oder treibende Mittel, usw.) führen oft zu Verstopfungen, die wiederum zu entsprechenden Druck- oder Schwere-Gefühlen im Bauchbereich führen, die in der Logik eines Teufelskreises die Erhöhung des magersüchtigen Bemühens zur Folge haben.

 

Die vom Körper Magersüchtiger ausgehenden Reize, insbesondere Hungergefühle, werden verändert wahrgenommen oder uminterpretiert. Hunger wird weitestgehend verleugnet.

 

Da der Hunger und die damit verknüpften Triebimpulse desto stärker drängen, je mehr Magersüchtige hungern und an Gewicht verlieren, muss diesen Bedürfnissen immer stärkere, immer aufwändigere Abwehr entgegengesetzt werden. Die zunehmende körperliche Schwäche, erhöht die Befürchtung, einen Triebdurchbruch bzw. den Zusammenbruch der Kontrolle nicht mehr abwenden zu können.


Quelle: Köhle, K., Subic-Wrana, C., Albus, C., & Simons, C. (2003). Anorexia nervosa. In R. H. Adler, J. M. Hermann, K. Köhle, W. Langewitz, O. W. Schonecke, T. von Uexküll & W. Wesiack (Hrsg.), Psychosomatische Medizin (6. Auflage) (S. 687-706). München: Urban & Fischer.

 



 

Erstellt von Lysann Rall, 12/2005

 


 

Letzte Änderung: 12/2005



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