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Symptome der Anorexia nervosa


Störung des Essverhaltens

Magersüchtige haben ein intensives Interesse an allem, was mit dem Essen zusamenhängt ("Living in a Food World", Walton u. Kalucy 1975). Sie kämpfen mit ihrem Hunger und sind ständig von Nahrungs-fragen vereinnahmt. Die Motivation, zu essen, ist aber erheblich beeinrächtigt, die Patientinnen wollen abmagern und dünn bleiben.

 


Gewichtsverlust

Folge der Störungen des Essverhaltens ist ein starker Gewichtsverlust bis hin zur Kachexie (Auszehrung, mit tief greifender Störung aller Organfunktionen, wie bspw. bei bösartigen Tumorerkrankungen).

Nach der derzeit (nach DSM-IV, ICD-10) gängigen Unterscheidung zwischen Anorexia nervosa vom restriktiven Typ und Anorexia nervosa vom Purging-Typ bzw. bulimischen Typ, wird die Gewichtsreduktion durch exzessives Hungern oder/und durch selbst-induziertes Erbrechen bzw. Diuretika- oder Laxanzien-Missbrauch herbeigeführt.

 


Verleugnung des Krankheitswerts

Magersüchtige erleben ihren abgemagerten oder gar kachektischen Zustand nicht als krankhaft. Ganz im Gegenteil, die Patientinnen identifizieren sich mit ihrer skelettartigen Erscheinung und kämpfen darum, sich dieses Aussehen zu erhalten.

 


Gestörte Interozeption

Hunger wird, wie andere vom Körper ausgehende Reize, verleugnet oder uminterpretiert. Je mehr die Magersüchtigen hungern und an Gewicht verlieren, desto schwächer werden sie, was wiederum ihr Angst erhöht, die Kraft zur Unterdrückung der Hungerempfindungen nicht mehr aufbringen zu können.

 


Amenorrhö

Fast regelmäßig bleibt die Regelblutung der geschlechtsreifen Magersüchtigen aus. Eine Amenorrhö wird auch angenommen, wenn die Periodenblutung nur nach Hormongaben eintritt.

 


Hyperaktivität

Ausgeprägter Bewegungsdrang oder sportliche Überaktivität dienen einerseits der Gewichtsreduktion, sind andererseits ein Bewältigungs-versuch der häufig von Magersüchtigen beklagten inneren Anspan-nung und Unruhe. Auch die oft ausgeprägte Leistungsorientiertheit und die nicht selten auftretenden Verhaltenszwänge Magersüchtiger, haben diese Bewältigung innerer Spannungszustände zum eigentlichen Ziel.

 


Körperschemastörung

Die Überschätzung der eigenen Körperdimensionen, die verzerrte Wahrnehmung des eigenen Körpers ist ein Kern der Psychopatho-logie, der v. a. von Hilde Bruch (1973, 1980) besonders betont worden ist. Noch ist offen, ob diese Überschätzung sekundäre Folge des Hungerns und der Gewichtsabnahme oder durch psychologische Mechanismen bedingt ist.

 


Beziehungsstörung und Selbstwertprobleme

Magersüchtige halten sich mit ihrer "Splendid Isolation" künstlich von anderen unabhängig. Diese scheinbare Selbständigkeit ist jedoch vor dem Hintergrund der sozialen Isolation Magersüchtiger zu relativieren. Die Fähigkeit Magersüchtiger zu intensivem Kontakt und emotionalem Austausch ist stark eingeschränkt.

 


Quelle: Köhle, K., Subic-Wrana, C., Albus, C., & Simons, C. (2003). Anorexia nervosa. In R. H. Adler, J. M. Hermann, K. Köhle, W. Langewitz, O. W. Schonecke, T. von Uexküll & W. Wesiack (Hrsg.), Psychosomatische Medizin (6. Auflage) (S. 687-706). München: Urban & Fischer.



 

Erstellt von Lysann Rall, 12/2005

 


 

Letzte Änderung: 12/2005



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