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Wie wirksam ist die Prävention von Essstörungen langfristig? : Entwicklung und Evaluation eines Trainingsprogramms an Schulen

Dissertation von Nora Dannigkeit, Fachbereich Psychologie der Universität Bielefeld

(Symbol externer Linkhttp://bieson.ub.uni-bielefeld.de/volltexte/2005/728/)

 


Die Prävention von Essstörungen ist ein Forschungsthema von hoher gesundheitspolitischer Relevanz. Erste Anzeichen von Essstörungen wie extreme Formen des Diäthaltens oder auch die ständige Beschäftigung mit der eigenen Figur und dem Gewicht haben in westlichen Industrieländern mittlerweile nahezu epidemische Ausmaße erreicht. Die chronifizierten Störungsbilder sind mit schwerwiegenden körperlichen Folgen verbunden, und viele Patientinnen suchen erst spät oder sogar niemals therapeutische Behandlung auf. Daher wird seit Mitte der 90er Jahre von vielen Autoren immer wieder auf die hohe Dringlichkeit hingewiesen, mit der Präventionsprogramme entwickelt und implementiert werden sollten. Zwar gibt es inzwischen eine Reihe viel versprechender präventiver Ansätze, jedoch sind bisher nur wenige der bisherigen Programme systematisch auf ihre langfristige Wirksamkeit hin überprüft worden. Aus diesen Überlegungen leitete sich als Fragestellung dieses Dissertationsvorhabens ab, ob es langfristig möglich ist, positive Effekte in Bezug auf das Selbstwertempfinden, das Essverhalten und die Einstellungen gegenüber der eigenen Figur sowie hinsichtlich des Wissens über gesunde Ernährung und Essstörungen bei Teilnehmern eines Trainingsprogramms, das für den Einsatz im schulischen Kontext entwickelt worden war, zu erreichen. Zur Beantwortung dieser Fragen wurden zwei Studien durchgeführt.

 

In Studie 1 wurde ein zehnstündiges Trainingsprogramm für Schüler entwickelt und über einen Zeitraum von zwei Jahren hinweg evaluiert. Das Programm war unterteilt in ein jeweils fünfstündiges Grundtraining in der 6. Klasse und ein Auffrischungstraining zwei Jahre später (8. Klasse). Hintergrund dieses Programms bildete der von der World Health Organization geforderte Lebenskompetenzansatz, der auf eine Stärkung der psychosozialen Kompetenzen und adaptiven Copingstrategien im Umgang mit schwierigen Lebenssituationen bei den Teilnehmern abzielt. Die konzeptionelle Entwicklung des Grundtrainings sowie dessen erste Evaluation fanden im Rahmen einer Voruntersuchung statt. Ziel der vorliegenden Arbeit war die Entwicklung des Auffrischungstrainings und die Langzeitevaluation des Gesamtprogramms (Studie 1). Das Programm wurde in einem Prä-Post-Kontrollgruppen-Design mit Follow-up an 204 Schülern auf seine Effektivität hin überprüft. Hier zeigte sich im Anschluss an die Programmteilnahme ein signifikanter Zuwachs an ernährungsrelevantem Wissen in der Experimental- im Vergleich zur Kontrollgruppe. Im langfristigen Verlauf konnten außerdem signifikante Gruppenunterschiede im Essverhalten und in den Einstellungen gegenüber der Figur sowie im Selbstwertgefühl nachgewiesen werden.

 

Gegenstand der Studie 2 dieser Arbeit war zum einen eine inhaltliche Optimierung des Programms sowie eine erneute Überprüfung der langfristigen Wirksamkeit hinsichtlich der unter Studie 1 beschriebenen Evaluationskriterien. Unter Berücksichtigung der Bedeutung des elterlichen Einflusses bei der Entstehung und Aufrechterhaltung von Essstörungen sowie der in der Literatur sehr häufig ausgesprochenen Empfehlung, Eltern bei präventiven Interventionen mit einzubeziehen, wurden programmbegleitende Elternabende durchgeführt. Um eine höhere Generalisierbarkeit der Ergebnisse zu gewährleisten, wurde das Programm an verschiedenen Schulen eingesetzt und die Stichprobengröße im Vergleich zur Studie 1 verdoppelt (N = 393). Die positiven Ergebnisse der Studie 1 konnten hinsichtlich der Kriterien Wissen und Essverhalten bestätigt werden. Wiederum zeigte die Experimentalgruppe im Anschluss an die Programmteilnahme einen signifikanten Zuwachs an ernährungsrelevantem Wissen sowie im langfristigen Verlauf ein gesünderes Essverhalten und ein geringeres Schlankheitsstreben im Vergleich zur Kontrollgruppe. Jedoch waren die Effekte auf der Ebene der Einstellungen und Verhaltensweisen deutlich geringer als in der Studie 1 und es konnten keine signifikanten Gruppenunterschiede im Selbstwertgefühl gefunden werden. Erklärbar ist dieses Ergebnis damit, dass beide Gruppen im Langzeitverlauf Werte im hohen bis sehr hohen Bereich aufwiesen, da die erwartete Labilisierung der Kontrollgruppe ausblieb (Decken- bzw. Flooreffekte). Die Effektivität des Programms konnte insbesondere bei einer Subgruppe von Schülern nachgewiesen werden, die unter einem höheren Risiko für die Entwicklung einer Essstörung stand als die Gesamtstichprobe. In den beiden vorliegenden Untersuchungen konnte demnach nachgewiesen werden, dass das primäre Präventionsprogramm an Schulen eine positive und langfristig stabile Wirksamkeit hatte. Es gab keinerlei Hinweise auf kontraproduktive Effekte, die in der Literatur vereinzelt diskutiert werden. Eine Einordnung in den aktuellen Forschungsstand zeigte, dass die Studie 1 als sehr erfolgreich und die Studie 2 als erfolgreich im Vergleich zu anderen Untersuchungen zu bewerten sind


01_Dissertation_Dannigkeit.pdf
Dissertation, Langfassung 1,9 MB

02_Dissertation_Dannigkeit_Anhang.pdf
Dissertation (Anhang), 1.8 MB


 

Letzte Änderung: 03/2006



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