Uni DortmundSubgruppen der Anorexia nervosa
Dissertation von: Dipl.-Päd. Melanie Peitz, Universität Dortmund
Ziel der Untersuchung: Ziel derUntersuchung ist es, verschiedene Subgruppen der Magersucht zu identifizieren und die Frage nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden dieser Gruppen zu klären. Interessant ist dies u. a. in Bezug auf gezielte Therapieangebote. So soll z. B. der Frage nachgegangen werden, inwiefern sich Magersüchtige, die zusätzlich unter Essanfälle leiden, von den Personen unterscheiden, die keine Essanfälle berichten.
Ergebniszusammenfassung: Die Analyse des bisherigen Forschungsstandes bezüglich der Subgruppendifferenzierung bei Anorexia nervosa zeigt auf, dass fast ausschließlich 2-Subgruppen- Vergleiche vorgenommen wurden. Im Zentrum des Forschungsinteresses stand dabei der Vergleich der restriktiven Anorektiker (AN-R) zu den Personen, die Essanfälle (Binge) und abführendes Verhalten wie etwa selbstinduziertes Erbrechen, Missbrauch von Laxantien oder Diuretika (Purge) aufweisen. Letzt genannte Gruppe wird als AN - BP bezeichnet.
Jedoch wird in der Literatur auch noch ein dritter Subtyp benannt. Dieser zeichnet sich dadurch aus, dass während der aktuell anorektischen Episode keine regelmäßigen Essanfälle vorliegen, aber dennoch ein Purging-Verhalten seitens der Probanden gezeigt wird. Somit umfasst dieser dritte Subtyp restriktive Purger (RAN-P).
Hierzu sagt das DSM-IV, dass bislang zu wenig Daten über diesen Subtyp vorhanden sind, um ihn näher spezifizieren zu können. Das Forschungsinteresse der vorliegenden Arbeit setzt an diesem Punkt an. Über den 2-Gruppen- Vergleich hinaus, sollen alle drei Subgruppen der Anorexia nervosa betrachtet werden. Das Interesse liegt dabei auf der Verortung des bislang kaum erforschten dritten Subtyps und damit geht die Frage einher, ob sich Gemeinsamkeiten oder Differenzen unter den Subgruppen finden lassen. Mittels Fragebögen werden z. B. Daten über typische Komorbiditäten der Anorexie wie etwa Depression oder Angststörung erhoben. Ferner soll das unterschiedliche Essverhalten der Probanden näher beleuchtet und demographische Angaben verglichen werden. Darüber hinaus werden noch irrationale Einstellungen und Kompetenz- und Kontrollüberzeugungen der Probanden abgefragt und nach Unterschieden zwischen den Gruppen analysiert. Da die vorliegende Arbeit Probanden mit Essanfällen und abführendem Verhalten einschließt, welches typischerweise bei der Bulimia nervosa zu beobachten ist, werden zusätzlich noch relevante Ergebnisse der aktuellen Bulimie-Forschung einbezogen und diskutiert.
Hierzu wurden insgesamt 130 Probanden mittels Fragebögen untersucht und in die Gruppen AN-R, AN-BP, RAN-P und EDNOS (Eating Disorder Not Otherwise Specified) eingeordnet.
Die statistische Auswertung ergab einige Differenzen zwischen den untersuchten Probandengruppen. So erkrankten die AN-BP mit einem Durchschnittsalter von 17,57 Jahren (sd=4,58) am spätesten. Als häufigste Purging-Methode wurde das selbstinduzierte Erbrechen genannt, wohingegen der Gebrauch von Diuretika nur selten vorkam. Erwartungsgemäß hatten die AN-BP den höchsten BMI.
Beim Eating Attitudes Test punkteten die RAN-P am höchsten, während die AN-R die niedrigsten Durchschnittswerte aufwiesen. Ebenfalls erhielten die AN-R bei der EDI-Sub skala "Schlankheitsstreben" die niedrigsten Punktwerte und sie unterschieden sich signifikant von den drei restlichen Gruppen (p<=03). Demnach ist Schlankheitsstreben bei den restriktiven Anorektikerinnen am wenigsten ausgeprägt. Ein ebenfalls signifikantes Ergebnis lieferten die EDI-Subskala "Bulimie" und die EAT-Subskala "Bulimie und ständige gedankliche Beschäftigung mit Essen". Erwartungsgemäß punkteten die AN-BP am höchsten. Weiterhin deckte eine durchgeführte Varianzanalyse ebenfalls eine signifikante Differenz bei der EDI-Subskala "Impulsregulation" auf. Hier erhielten die AN-R den niedrigsten Mittelwert und sie unterschieden sich signifikant (p<=.04) von den drei restlichen Gruppen. Keine Signifikanz ergab sich bei den Aspekten "Depression" und "Angst", jedoch bestätigte ein Vergleich der Mittelwerte tendenziell die Annahme, dass beide purgenden Gruppen (AN-BP und RAN-P) stärker betroffen sind.
Langfassung:
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